Winterfreuden ohne ESP

Held der winterlichen Strasse: Wühlt sich jeden Berg hoch und wird nicht vom ESP ausgebremst.

Mich beschleicht das Gefühl, dass moderne Autos nicht immer das Maß der Dinge sind. Beispielsweise habe ich immer geglaubt, dass bei Schnee und Glätte ein moderner Fronttriebler mit ESP-Schleuderschutz die beste Wahl ist (abgesehen vom Vierradantrieb natürlich). Unter normalen Umständen ist das auch so, fährt doch solch ein Auto auch bei Schnee und Schneematsch stur und stabil gerade aus. Vor allem aber braucht man in Kurven keine Angst zu haben, dass das Heck ausbricht. Im schlimmsten Fall – angepasste Geschwindigkeit vorausgesetzt – untersteuert das Auto ein wenig. Nichts, was nicht auch ein ungeübter Fahrer in den Griff kriegen würde.

Nun ist es aber so, dass es neuerdings nicht nur mit uns, sondern auch zu uns bergauf geht. Sprich, wir wohnen seit letztem Jahr am Ende einer Stichstrasse, die sich in zwei Kurven einen Hügel hoch schlängelt. An sich nichts aufregendes, es sei denn es hat geschneit. Denn dann bleibt das traute Heim trotz, oder besser gesagt, wegen modernster Fahrwerks- und Sicherheitstechnik unerreichbar. Versuche mit einem Smart Forfour und einem Opel Astra den Hügel zu erklimmen scheitern kläglich. Warum? Weil das ESP spätestens in der zweiten Kurve den Antrieb so weit herunter geregelt hat, dass die Autos einfach stehen bleiben.

Wie gut, dass wir auch noch einen feinen Youngtimer aus den 90ern besitzen, nämlich unseren guten alten Mazda MX5 NB. Solide japanische Technik, zuverlässig und fast unkaputtbar. Bei Schnee und Glätte allerdings gewöhnungsbedürftig: Das Auto ist relativ leicht, der Motor sitzt vorne, angetrieben wird jedoch die Hinterachse. Zudem sind auch noch die Reifen recht breit und ESP war zum Produktionszeitpunkt allenfalls für Mercedes S-Klasse und Co. verfügbar. Mit anderen Worten: Bei Nässe und Schnee fährt sich der Mazda ziemlich delikat. Einmal nicht aufgepasst und das Heck macht sich daran die Front zu überholen.

Dementsprechend hatte ich letztens bei dem starken Schneefall wenig Hoffnung, es mit dem in Ehren ergrauten MX5 bis vor die Haustür zu schaffen. Smart und Astra hatten zuvor schon versagt und parkten etwas verschämt unten an der Hauptstraße. Aber oh Wunder, mit dem Mazda war es überhaupt kein Problem die Steigung zu erklimmen. Im Gegenteil, es machte sogar Spaß! Mit durchdrehenden Rädern und in den Kurven leicht, aber kontrollierbar ausschwingendem Heck wühlte sich der kleine Roadster tapfer die Straße hoch.

Und die Moral der Geschichte? Um einen verschneiten Berg erklimmen zu können, braucht man vor allem eines: Schlupf an den angetriebenen Rädern! Den unterbindet jedoch das ESP, weshalb es auch Anti-Schlupf-Regelung genannt wird. So weit klar. Die Lösung wäre ein abschaltbares ESP. Doch das gibt es nur in wenigen, häufig eher sportlich angehauchten Fahrzeugen. Warum eigentlich? Traut man uns Autofahrern nicht über den Weg?

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Ein Gedanke zu “Winterfreuden ohne ESP

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